Panel III: Ästhetik
Donnerstag 09.10.25, 14:00-15:30
Raum: TBA
Das dritte Panel mit Jule Govrin (Universität Hildesheim) und Wolfgang Ullrich (Autor) beschäftigt sich mit Politiken des Ästhetischen, die eine ästhetisch Weltwahrnehmung als Quelle der Sinngebung und Transzendenz gegen die zerstückelte, verweltlichte Moderne aufwerten. Ästhetisches Erleben gilt nicht nur als Fluchtpunkt im kalten Prozess ökonomischer Liberalisierung, antimoderne Bewegungen sind im Kern ästhetische Bewegungen, die Verlusterfahrungen der Moderne ästhetisch bearbeiten. Dies äußert sich etwa in einer Sehnsucht nach «großer Politik», in der das Wesentliche, das Standhafte gegen eine pluralistische Beliebigkeit in Stellung gebracht wird. Es äußert sich ebenfalls in einer Politisierung der Kunstautonomie, die Kunst als einen Raum der Unverfügbarkeit instrumentalisiert, in dem moralische Standards ausgesetzt sind. Kunst wird in der Gegenmoderne zu einem entrückten Ort jenseits der profanen modernen Welt, sie markiert Distanz zur Gegenwart. Dadurch lassen sich ästhetische Verfahren leicht nutzen, um das Leiden am Zerfall verbindlicher Fundamente zu politisieren. Der Widerstand gegen die Moderne erschafft nicht nur neue politische Ordnungsgefüge, sondern ebenso symbolische Ordnungen.
Moderation: Carolin Amlinger (Universität Basel)