Donnerstag – Freitag

Renate von Metzler-Saal * Casino-Gebäude * Goethe-Universität Frankfurt

Abschlusskonferenz des Promotionskollegs »Dialektik der Teilhabe«

 

Dialektik der Teilhabe bedeutet, dass die Entwicklungsdynamik moderner, demokratisch-kapitalistischer Gesellschaften ein Doppelgesicht aufweist: Der historischen Bewegung einer institutionellen Garantie und Erweiterung von Teilhabemöglichkeiten korrespondiert die Gegenbewegung ihrer Verweigerung und Einschränkung. Solche Doppelbewegungen wurden im Kolleg in drei Dimensionen untersucht: in ihrer sozialstrukturellen Dynamik von In- und Exklusion, Auf- und Abstieg; in ihrer räumlichen Dynamik von Mobilitätsprozessen und -blockaden; sowie in ihrer politischen Dynamik der progressiven und regressiven Bearbeitung gesellschaftlicher Widersprüche in sozialen Bewegungen und Gegenbewegungen.

Auf der Abschlusskonferenz werden zentrale Befunde der am Kolleg durchgeführten Forschung zur Dialektik der Teilhabe präsentiert und miteinander ins Gespräch gebracht. Das Panel Teilhabe in Labour widmet sich auf der Grundlage eines erweiterten Arbeitsbegriffes der Vergesellschaftung von Subjekten im Spannungsfeld von Reproduktion und Produktion, wobei es nach den subjektiven Be- und Verarbeitungsformen dieser Spannung fragt. Anhand von Auseinandersetzungen um städtische Bodenpolitik, rassistische Gewalt und die Kriminalisierung der Seenotrettung geht das Panel Räumliche Selektivität staatlicher Ordnung den Widersprüchen gesellschaftlicher Teilhabe nach. Das individuelle wie kollektive Ringen um Befreiung steht im Zentrum des Panels Das Vertrackte der Emanzipation, das sich für die inneren und äußeren Dynamiken, die Hindernisse und das Unabgegoltene von Emanzipationsprozessen interessiert. Das Panel Autoritäre Spuren in Gegenwartsphänomenen spürt in verschwörungstheoretischen Mobilisierungen, Aushandlungen zu regionalen Transformationsprozessen und rückzügliche Bewegungen der Selbstversorgung dem autoritären Potenzial vermeintlich normaler Vergesellschaftungsprozesse nach.

Eingerahmt wird die Vorstellung zentraler Ergebnisse der Kollegsarbeit durch drei Podien: Emma Dowling und Serhat Karakayali nehmen die Dialektik der Teilhabe ausgehend von der Verschränkung von Migration und Reproduktionsarbeit in den Blick nehmen. Eva von Redecker und Sven Reichardt denken über Liberalismus und Faschisierung in der Gegenwart nach. Mit der Initiative 19. Februar Hanau diskutieren wir über Rassismus, Solidarität und Erinnerung in postmigrantischen Räumen sowie über die Frage: Wem gehört die Stadt?